Ein Beitrag von Wolfram Greis, Geschäftsführer der European Mainframe Academy GmbH
„From a technical perspective, there is currently no platform more modern than the mainframe. What many mainframe-based companies need to focus on is modernizing their application landscapes.” - Wolfram Greis
Mainframe: Stabilität in einer sich wandelnden IT-Welt
Vor rund zehn Jahren galt die Cloud als das Allheilmittel der IT. Viele sagten das Ende des Mainframes voraus – doch das Gegenteil trat ein. Heute bildet der Mainframe in zahlreichen Rechenzentren weltweit das stabile Rückgrat moderner Hybrid-Infrastrukturen. „Technologisch gibt es aktuell keine Plattform, die moderner ist als der Mainframe“, betont Greis. Der Großrechner hat sich vom monolithischen System zu einem integralen Bestandteil komplexer ITLandschaften entwickelt – mit höchsten Ansprüchen an Sicherheit, Verfügbarkeit und Performance.
Modernisierung statt Abschaffung
Häufig wird von „Mainframe-Modernisierung“ gesprochen – und dabei fälschlicherweise angenommen, der Mainframe selbst sei veraltet. Tatsächlich geht es vielmehr um die Modernisierung der Anwendungslandschaften. Viele Programme aus den 70er- oder 80er-Jahren laufen noch unverändert – und funktionieren tadellos. Doch ein Re-Compile moderner COBOL-Programme bringt heute bis zu 40 % mehr Leistung bei geringerem CPU-Verbrauch.
Greis empfiehlt daher, bestehende Anwendungen zu modernisieren, z. B. durch die Anpassung an Microservice-Architekturen oder die Migration nach Java. „Kein anderes System führt geschäftskritische Java-Anwendungen so stabil und effizient aus wie der Mainframe“, erklärt er.
Hybrid statt Cloud-Only
Während die Cloud vor einigen Jahren noch als Allzwecklösung galt, setzen viele Unternehmen heute auf hybride Strategien. Besonders im Finanzsektor und in regulierten Branchen ergibt der Betrieb sensibler Systeme in der Public Cloud kaum Sinn. „Ein hybrides Modell, das die Flexibilität der Cloud mit der Sicherheit des Mainframes verbindet, ist der nachhaltigste Weg“, so Greis. Kritische Workloads verbleiben on-premises, während weniger sensible Anwendungen in die Cloud ausgelagert werden.
Trends: Effizienz, DevOps und Energieverbrauch
Ein entscheidender Trend ist die enge Verzahnung von Linux und z/OS auf derselben Hardware – ein Ansatz, der Sicherheit und Energieeffizienz in Rechenzentren auf ein neues Niveau hebt. Dabei ist erwähnenswert, dass eine Linux-Version mit zCX – der Conteiner-Extension für z/OS – direkt in das z/OS Betriebssystem implementiert werden kann. Ebenso wichtig ist die Integration in DevOps-Toolchains: Automatisierte Deployments und agile Entwicklungsprozesse sind auch im Mainframe-Umfeld längst Realität. Zudem sind Mainframes heute die energie- und platzsparendsten Systeme im Rechenzentrum – ein entscheidender Vorteil angesichts wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen.
Künstliche Intelligenz als neuer Taktgeber
Mit der Einführung der IBM z16-Architektur und des Telum-Prozessors wurde KI direkt in die Hardware integriert. Dadurch können KI-Algorithmen in Echtzeit arbeiten – beispielsweise zur Betrugserkennung im Zahlungsverkehr oder zur intelligenten Prozesssteuerung. Auch bei der Modernisierung von Legacy-Code wird KI zunehmend eingesetzt. Während vollautomatische Konvertierungen oft schwer wartbaren Code erzeugen, sieht Greis großes Potenzial in KI-gestützten, aber menschlich kontrollierten Migrationsprozessen.
Fazit: Zukunft durch Integration
Für Wolfram Greis ist klar: Die Zukunft der Rechenzentren liegt nicht in der Ablösung des Mainframes, sondern in seiner intelligenten Integration in moderne IT-Landschaften. „Wer den Mainframe verlässt, verliert Stabilität. Wer ihn integriert, gewinnt Zukunftsfähigkeit“, fasst er zusammen.
Die European Mainframe Academy begleitet diesen Wandel mit praxisnahen Trainings, Forschungskooperationen und Weiterbildungsprogrammen – damit Unternehmen und Fachkräfte die digitale Zukunft sicher gestalten können.